Woher kommt das Wasser?

Vom tiefen Grunde bis zum Wasserhahn | Kies und Wald reinigen Neurieder Trinkwasser

Timon Krammel | Haus über dem Tiefwasserbrunnen am Dundenheimer Wald | Was vom Tiefwasserbrunnen sichtbar ist | Die Sandfilter | Das Stahlreservoir 

NEURIED. Wasser ist Leben. Diese Formel ist in vielen Teilen der Welt nicht zu hoch gegriffen. Knapp ist Trinkwasser hierzulande nicht, doch hier wie dort hat seine Zusammensetzung großen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung. Woher das Neurieder Wasser stammt und wie es gefiltert wird, darüber sprachen wir mit Timon Krammel, dem  technischen Leiter des Wasserwerkes.

Das Trinkwasser in Neuried wird aus einer 56 Meter tiefen Brunnenröhre hochgepumpt. Das unscheinbare, umzäunte Pumpenhaus steht am westlichen Rand des Dundenheimer Waldes, gut 500 Meter vom weiter westlich stehenden Wasserwerk.

Das Tiefenwasser steht nicht an Ort und Stelle, sondern wandert. “Es bewegt sich sehr langsam aus Südosten heran, aus Richtung Schwarzwald”, erklärt Krammel. “Die Fließgeschwindigkeit beträgt nur wenige Zentimeter am Tag.”

Bevor das Wasser im Tiefbrunnen aufsteigt, passiert es den Waldgrund, der wie eine Filterbarriere wirkt. Die Bäume reinigen das Niederschlagswasser, das den Tiefenstrom anreichert. Nitrat gelangt nicht in den Boden, weil hier nicht gedüngt wird. Der Kies tut ein Übriges.

“Die Gesteinsschichten sind bei uns relativ homogen und durchgängig kiesig. Es gibt keine Sperrschichten. Dadurch hat das Wasser einen langen Filterweg”, sagt Timon Krammel.

Die Pumpen sitzen auf 10 Meter Tiefe. Die Filterschlitze, durch die das Wasser in die Brunnenröhre dringt, fangen bei 27 Metern an. Selbst wenn, wie in den letzten Sommern, der Grundwasserspiegel auf 2 bis 3 Meter absacken sollte, ist die Versorgung nicht gefährdet. “Wir haben ein hohes Wasservorkommen und sind für die Zukunft gut aufgestellt”, sagt der 34-Jährige. Ihm zur Seite stehen Marc Kretzschmar und Thomas Eisele.

Vom Tiefbrunnen wird das Wasser zum Wasserwerk gepumpt, wo es in zwei Sandfiltern noch einmal gereinigt wird. Stoffe wie Eisen und Mangan, die im Ried erhöht vorkommen, und geringe Mengen Arsen werden so herausgefiltert. Das Ergebnis ist eine über Jahre konstant hohe Qualität. Der Nitratgehalt beträgt circa einen Milligramm pro Liter, der vorgeschriebene Grenzwert beträgt 50 Milligramm.

Allerdings liegt der Kalkgehalt im Härtebereich 3, das Wasser gilt damit nach Norm als “hart”. Das hat technisch gesehen unliebsame Folgen, etwa für Ventile und Waschmaschinen. Für den menschlichen Körper dagegen ist Kalk, also Calzium, ein wichtiger Mineralstoff. Die Wasserqualität wird vierteljährlich kontrolliert.

Vom Wasserwerk wird das “kostbare Nass” über das 75 Kilometer lange Leitungsnetz zu den Abnehmern gepumpt. Drehzahlgesteuerte Pumpen halten den Druck konstant bei circa 5 Bar. Sogenannte Windkessel, die zur Hälfte mit Luft gefüllt sind, helfen dabei. In vielen, meist neueren Haushalten reduziert ein Druckminderer auf 4 Bar, zum Schutz der Heizleitungen. Ein Notstromaggregat sichert die Versorgung bei Stromausfall.

Der Brunnen in Ichenheim, der bis 2001 den Ortsteil versorgte,   steht weiterhin für den Notfall bereit. Der Nitratwert des Rohwassers liegt hier laut Krammel bei 50 Milligramm. Das in die Jahre gekommene Pumpenhaus soll in naher Zukunft durch einen Zweckbau ersetzt werden.

 

DK | 28.9.2020

Passende Artikel:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.