Neurieder Wald soll verjüngt und artenreicher werden

10-Jahres-Plan für Neurieder Forst verabschiedet | Eiche verträgt Trockenheit

NEURIED. Alle zehn Jahre wird in den Wäldern Baden-Württembergs Inventur gemacht. Daraus folgt der Wirtschaftsplan für die nächsten 10 Jahre. Die letzte Planperiode endete in Neuried 2019. Forstamtsleiter Hans-Georg Pfüller und Revierförster Gunter Hepfer präsentierten am Mittwoch vor dem Gemeinderat den Plan für die neue Dekade.

Es ist die achtzehnte sogenannte Forsteinrichtung seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Kontinuierliche Überwachung und Planung machen eine nachhaltige Bewirtschaftung erst möglich. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus dem Forstwesen. Er bezeichnet das Prinzip, dass nicht mehr entnommen werden darf, als nachwächst.

Der Neurieder Wald erstreckt sich über 930 Hektar (plus 24 seit 2010). Davon sind 881 Hektar baumbestanden. Die Qualität der Standorte soll zu 33 Prozent sehr gut, 26 Prozent gut, 23 Prozent mittel und 18 Prozent schlecht sein. Als überwiegender Auenwald besteht er zu 97 Prozent aus Laubbäumen. Dominierend sind Bergahorn (17 Prozent), Eiche (15), Hainbuche (13) und immer noch die Esche, die allerdings von 24 (2010) auf 11 Prozent dezimiert wurde.

33.651 Festmeter (fm) Holz wurden in den letzten 10 Jahren geschlagen. Dies sind 3,9 fm pro Jahr und Hektar. Das entsprach der Planmenge. Gut die Hälfte davon wurde jedoch zufällig geschlagen, in der Mehrzahl waren dies kranke und tote Eschen.

Im laufenden Jahrzehnt sollen 36.000  fm geerntet werden, das enspricht 4,1 fm pro Jahr und Hektar. Die Planer erwarten, dass das weniger ist, als nachwächst. “Der Vorratsaufbau wird weitergehen”, sagte Pfüller. Der stehende Holzvorrat sei von 181 (2010) auf jetzt 211 fm pro Hektar gestiegen.

Weil zunehmend wärmere und trockenere Bedingungen erwartet werden, soll bei den Baumarten weiter diversifiziert werden. “Wir müssen das Risiko noch mehr streuen”, sagte Hepfer. Wertvolle und gleichzeitig “klimastabile” Arten werden bevorzugt. Wichtig, wenngleich ebenfalls vereinzelt durch Trockenheit “gezeichnet”, sei nach wie vor der Bergahorn, den Hepfer als “Klimaverlierer” bezeichnete.

Besser zurecht komme die Eiche, die verstärkt angepflanzt werden soll, auf einem Teilstück von 9 Hektar sogar ausschließlich. Mit der Walnuss (Juglans Regia und Nigra), bisher nicht vertreten, will Hepfer in die “Offensive” gehen. Linde, Ulme, Ahorn und Kirsche, die bislang ein Randdasein fristeten, sollen ausgebaut, seltene Arten wie Elsbeere und Esskastanie neu eingestreut werden.

Helmut Roth (Freie Wähler) begrüßte, dass auf einheimische Arten gesetzt werde. Hans-Georg Pfüller schränkte dazu ein, dass sich mit der Veränderung von Klima und Boden auch die Zusammensetzung der Baumarten ändere. Prinzipiell sei nicht auszuschließen, dass sich künftig auch standortfremde Arten empfehlen.

Revierleiter Hepfer sagte abschließend, die Ertragsentwicklung werde in den nächsten Jahren bescheiden sein. Das Programm sei insgesamt ehrgeizig, aber machbar.

 

DK | 5.11.2020

Passende Artikel:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.