Klassisch, historisch, romantisch

Der „Schwanen“ in Ichenheim | Ried-Gastronomie samstags im Lokal-Journal

NEURIED-ICHENHEIM. Das stattliche Haus entstand aus der Tradition, als ein Gasthof auch die Ratsstube im Ort war. Die zentrale Stube wurde im 17. Jahrhundert von der Gemeinde an einen ausgewählten Bürger verpachtet. Es dauerte einige Zeit, wechselnde Örtlichkeiten und Schicksale – eine Stube beim heutigen Rathaus brannte einmal ab –, bis der „Schwanen“ 1785 an seinem heutigen Platz von der Familie Derendinger erbaut wurde. 1884 kaufte die Familie Stückler das Haus und führt es bis heute. Edgar und Gerda Stückler in fünfter Generation. Ihre drei Kinder, alle in der Gastronomie zu Hause, sind schon am Start.

Im „Schwanen“ daheim waren immer viele Ichenheimer. Der Charakter der Dorfstube blühte auch hinter der stattlichen Fassade. Unzählige Hochzeiten wurden im großen Saal gefeiert und mit einem Gang zur nahe gelegenen Katholischen Kirche zum Dorfschauspiel gemacht. Die Fasent mit Bar und Ball belebte ebenfalls das Dorf. In den Glanzzeiten des Hauses in den 1960ern und 70ern gab es regelmäßig Tanzveranstaltungen. So viele Paare, erzählt Edgar Stückler, hätten sich im Schwanensaal kennengelernt und in der Folge geheiratet. Und viele feiern und feierten hier auch ihre Goldene Hochzeit. Die Dorfstube als Hochzeitsschmiede.

Neben diesen romantischen und historischen Zutaten beherbergt der „Schwanen“ auch Klassiker der badischen Küche. „Damit sie nicht vergessen werden“, sagt der 59 Jahre alte Koch. Deswegen bietet die Speisekarte neben einem wechselnden Mittagstisch und einem Drei-Gänge-Sparmenü mit Tagessuppe, Hauptgericht und Dessert zu 18,90 Euro  zeitaufwändig zu köchelnde Gerichte wie Rinderzunge, Sauerbraten oder Rindfleisch mit Meerrettich, der schon vielen Hochzeitsgesellschaften die Würze brachte. „Wir kochen saisonal“, sagt Edgar Stückler. „Pfifferling ist ja nicht regional.“ Neben Pfifferlingen tischt der „Schwanen“ saisonal Spargel und Aal auf oder nun im Herbst Wild.

Ein früherer Klassiker der Dorf- und Hochzeitsstube ist übrigens (von Edelstücken vom Fleisch) verdrängt worden. „Der Schweinebraten hat sich verabschiedet“, sagt der Koch, der seit 1993 das Haus führt.

www.schwanen-ichenheim.de

 

HR | 31.10.2020

Passende Artikel:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.