Internet in Meissenheim kaum unter 30 MBit/s

Glasfasernetz in der Ortenau wird 2021/22 für 65 Millionen Euro ausgebaut | Breitbandplanung in Meißenheim wird derzeit angepasst

ORTENAU | MEISSENHEIM. “Meißenheim ist mit schnellem Internet sehr gut erschlossen.” Das sagte Josef Glöckl-Frohnholzer am Montag vor dem Gemeinderat.  Der Geschäftsführer der Breitband Ortenau GmbH & Co. KG (BOKG) berichtete über den Stand des Netzausbaus in Meißenheim und der Ortenau insgesamt.

Nachdem der Markt der Netzbetreiber kein international wettbewerbsfähiges Glasfasernetz zustandegebracht hatte, legte der Ortenaukreis 2017 den Ausbau in die Hände der BOKG. Das kommunale Zweckunternehmen errichtet als Bauherr die Glasfaser-Infrastruktur und verpachtet sie an einen Netzbetreiber. Das ist seit August die Firma Vodafone, die sich unter vier Bewerbern, darunter die Deutsche Telekom, durchgesetzt hat. Vodafone bot die höchste Pacht und bringt eigene Infrastruktur ein.

Dienste für Endnutzer wie Telefonie, Internet und TV kann der Netzbetreiber anbieten, muss aber nicht. Dafür können andere Anbieter einspringen, an die Vodafone dann “untervermieten” muss. Was beim Verbraucher ankommt, entscheidet auf den letzten Netzmetern somit doch der “Markt”, unabhängig vom vorhandenen physischen Netz. Die BOKG kassiert von Vodafone Pacht, die sie an die Kommunen weiterleitet. Diese finanzieren damit ihren zehnprozentigen Anteil an den Baukosten. Die übrigen Mittel kommen vom Bund (50 Prozent) und vom Land (40 Prozent).

Die BOKG plant derzeit bis 2030. In Phase 1 bis Ende 2022 geht es um den Ausbau des “Backbone”. Das ist der Hauptstrang, in dem die Datenströme aller Endnutzer zusammenkommen. Das Backbone (englisch für Rückgrat) muss daher extrem schnell und hochsicher sein. 2020/21 fließen laut Glöckl-Frohnholzer 65 Millionen Euro in 130 km Backbone. Davon müssen 80 km neu errichtet werden, 50 km sind bereits bei Vodafone vorhanden. Beteiligt sind 17 Kommunen, darunter Hausach, Steinach, Biberach, Gengenbach.

Die BOKG will für Planung und Baubetreuung nur ein Ingenieurbüro beauftragen. Mit den Baumaßnahmen  sollen mehrere Netzwerkbauer und Tiefbauunternehmen beauftragt werden, letztere möglichst aus der Ortenau. Die Kommunen müssen entscheiden, wo sie im Einzelnen ausbauen wollen. Dabei geht es unter anderem um wichtige Einrichtungen wie Schulen, um Gewerbegebiete, sowie um Haushalte mit weniger als 30 MBit/s im Download.

Die Situation beim Glasfaserausbau in Meißenheim

Die Planung sei aufgrund neuer Gegebenheiten gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung angepasst worden, sagte Glöckl-Frohnholzer. Gemeint sind vor allem neu verlegte Lehrrohre. Derzeit laufe eine Untersuchung, in welchen Gebieten welche Bandbreiten vorhanden seien. Auf Basis der Ergebnisse werde die Gemeinde festlegen, wo sie Schwerpunkte setzen wolle. Dabei sei es wichtig, Kapazitätsreserven einzuplanen, denn die Datenmengen würden in den nächsten Jahren steigen. “Die grauen Flecken werden die weißen Flecken von morgen sein”, sagte Glöckl-Frohnholzer.

 

DK | 4.11.2020

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