Handydieb wegen räuberischer Erpressung verurteilt

Zwei Geschädigte aus Neuried | Angeklagter erhält Bewährung

OFFENBURG-NEURIED. Es war eine kleine Serie im Herbst 2018. Und „es ging immer um ein Handy“, wie ein Kriminalbeamter am zweiten Verhandlungstag aussagte. Angeklagt und vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Offenburg verhandelt waren fünf Fälle. Die Taten ereigneten sich in Neuried und im Kehler Raum. LJ berichtete zum Prozessauftakt Anfang Juli.

Der 35 Jahre alte, aus Kasachstan stammende Angeklagte, seit fünf Jahren Frührentner, erbeutete jeweils das Handy der Geschädigten. Unter dem Vorwand telefonieren zu müssen, fragte er in den meisten Fällen nach dem Handy. Dann flüchtete er stets mit einem Damenfahrrad. Bei der letzten Tat sprang die Fahrradkette ab. Als der beklaute LKW-Fahrer ihn einholte, zückte der Angeklagte ein Cutter-Messer. Aufgrund von Hinweisen wurde er schließlich bei seinen Eltern ermittelt. In der Garage fanden sich die von den Zeugen beschriebenen Fluchtfahrzeuge: Ein rotes und ein silberfarbenes Damenrad.

In einem Fall trat er dem Geschädigten mit einem rund 1,50 Meter langen Ast entgegen. Die Tatwaffe wurde am zweiten Verhandlungstag von Staatsanwaltschaft und der Strafkammer begutachtet. „Ein kräftiger Stock, bricht nicht leicht“, urteilten die Verfahrensbeteiligten. Der Geschädigte, der mit dem Fahrrad auf einem Radweg im Ried unterwegs war, hatte erklärt, sich völlig hilflos gefühlt zu haben.

Für diese Tat beantragte Staatsanwalt Martin Seifert eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Für eine weitere Tat im Oktober 2018 plädierte der Staatsanwalt auf eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen. Insgesamt beantragte Seifert eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Da der 35-Jährige an paranoider Schizophrenie leidet und sich in psychiatrischer Behandlung befindet, beantragte die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus – ebenfalls auf Bewährung.

 

Das Urteil am dritten Verhandlungstag: Bewährung und Führungsaufsicht

Die 2. Große Strafkammer verurteilte den 35-Jährigen wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Diebstahl zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Die Vollstreckung der verhängten Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Ebenso die angeordnete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Kammer folgte der Einschätzung des Gutachters.

Für den 35 Jahre alten Angeklagten, dessen Bundeszentralregister fünf Einträge aufweist, wurde die sogenannte Führungsaufsicht mit verschiedenen Weisungen angeordnet. Er ist einer Aufsichtsstelle unterstellt, die die Bewährungsauflagen und Weisungen überwacht. Der Tatertrag der erbeuteten Handys in Höhe von 700 Euro wurde eingezogen

 

HR | 30.7.2020

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