Handydieb bedrohte Neurieder Bürger

Angeklagter unter Psychopharmaka | Zeugen erinnern sich detailliert

OFFENBURG-NEURIED. Es ist dunkel. Der Zeuge ist allein auf dem Liegerad unterwegs. Ein Unbekannter tritt aus dem Gebüsch und hält ihn an. Er verlangt Handy und Geld und hebt drohend den Arm. Einen Stock hat er in der Hand, so glaubt der Zeuge. Er gibt ihm sein Handy, Geld hat er nicht dabei. Während der Mann mit dem Gerät hantiert, tritt er in die Pedale. Der Mann rennt ihm hinterher, erreicht ihn jedoch nicht. Der Zeuge kann fliehen.

So schilderte der Zeuge, wohnhaft in Ichenheim, was sich an einem Novemberabend 2018 abspielte. Prozessauftakt Donnerstag letzter Woche am Landgericht Offenburg. Staatsanwalt Seifert verliest die Anklage. Einem 35jährigen  wird Diebstahl und räuberische Erpressung in mehreren Fällen vorgeworfen. Die Taten ereigneten sich im Herbst 2018 im Raum Neuried und Kehl.

Der Angeklagte F., untersetzt, kahlköpfig, will sich nicht zur Anklage äußern, wohl aber zur Person. Richter Krüger befragt ihn eingehend. F. gibt an, in Kasachstan geboren zu sein. Vornamen und Nachname sind deutsch. Mit zehn Jahren sei er mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen. Nach der Hauptschule ein Jahr Berufsvorbereitung, aber keine abgeschlossene Ausbildung. Zivildienst mit 18 Jahren. Bis  30 habe er regelmäßig gearbeitet. Zunächst als Lagerarbeiter, später im Straßenverkauf, auch sei er ein Jahr arbeitslos gewesen.

Ab 20 habe er Alkohl und andere Drogen konsumiert. “Eine Flasche Wodka und ein paar Bier am Tag. Dreimal die Woche Speed. Auch Marihuana”, antwortet F. auf Nachfrage des Richters. Mit 29 Jahren habe er erstmals “Stimmen” gehört. Sie hätte nur mit ihm geredet, keine Befehle erteilt. Aus der Psychiatrie in Offenburg sei er nach zehn Tagen entlassen worden. In den Jahren danach sei er in unterschiedlichen psychiatrischen Einrichtungen gewesen, darunter auch in der Offenburger Klinik Lindenhöhe.

F. ist bei einem Psychiater in Kehl in Behandlung. Dieser attestiert ihm paranoide Schizophrenie. Laut Attest geht von ihm weder für sich noch für Andere eine Gefahr aus. Das verlas Richter Krüger. Drei bis vier Mal im Jahr sei er in der Praxis, sagt F., immer dann, wenn das Medikament, Zyprexa, ausgegangen sei. Er nehme es täglich. Seit fünf Jahren sei er Frührentner. Er bekomme 500 Euro pro Monat. Derzeit wohne er bei seinen Eltern in Willstätt.

Geschädigter aus Altenheim war gutgläubig

Der Zeuge aus Ichenheim, gut einen Kopf größer als der Angeklagte, sagt: “Ich habe immer noch heftige Hassgefühle, weil ich so hilflos war.”

Ein weiterer Zeuge, wohnhaft in Altenheim, gibt an, von dem mutmaßlichen Täter nicht bedroht worden zu sein. Dieser habe um sein Handy gebeten, weil er seine Mutter habe anrufen wollen. Dann sei er mit dem Handy auf einem Damenfahrrad geflüchtet. Er habe, so der Zeuge, die Verfolgung nicht aufnehmen können, weil seine beiden Hunde nicht angeleint gewesen seien. Er sei mit ihnen an einem Baggersee unterwegs gewesen.

 

DK | 13.07.2020

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