Freizeitdruck in den Rheinauen

Ortschaftsrat Altenheim schließt See | Eine Chance für die Artenvielfalt

NEURIED-ALTENHEIM. Gleich drei Tagesordnungspunkte beschäftigten sich in der Sitzung des Ortschaftsrats am vergangenen Mittwoch mit der von Ortsvorsteher Jochen Strosack eingangs geäußerten Frage: „Wie gehen wir mit dem Freizeitdruck in unserer Rheinauenlandschaft um?“ Wie könne man das Thema Natur steuern.

Neurieds Förster Gunter Hepfer sprach sich gegen die Freizeitnutzung am Baggersee Dreibauerngrund Süd aus, der nahe der Pierrre-Pflimlin-Brücke gelegen auch Druck aus Straßburg und dem Elsass bekommt. „Der See hat sich ökologisch positiv entwickelt“, sagte Hepfer, der seinen Appell mit vielen Natur- und Vogelaufnahmen unterlegte. Der See liege in einem Vogelschutzgebiet und sei ein Brutgebiet. „Er ist auch Überwinterungsgebiet für Zugvögel und trägt zur Artenvielfalt bei.“ Viele Arten seien jedoch störungsempfindlich. Im September habe es noch Badebetrieb gegeben. „Wir wollen“, so der Förster, „ein wenig Ruhe hineinbringen und ihn aus der Freizeitnutzung herausnehmen. Wir haben so viele Seen.“ Man wolle einen See der Natur überlassen. Unter Applaus aus der zahlreich vertretenen Bürgerschaft, sagte Hepfer: „Das ist eine einmalige Chance.“

Ortschaftsrat Bernd Uebel (SPD), der gegen den Antrag stimmte, wollte zumindest die Angler an den See lassen. „So viele Angelkarten sind nicht da draußen“, argumentierte er. Hepfer erwiderte, auch wenige Angler könnten stören. Bleibe ein Vogel zu lange der Brutstätte fern, „können die Eier auskühlen“.

Der Rat stimmte mit einer Gegenstimme dafür, den See zur Ruhezone auszuweisen. Der See wird daher nicht für den Badebetrieb zugelassen. Schilder sollen dies erklären. Angelkarten für den Dreibauerngrund werden nicht mehr ausgegeben, Wege zum Westufer mit Baumstämmen geschlossen.

Aufstellung von Schranken

Einstimmig wurde beschlossen, die Schließanlagen an den Schranken zu den Badeseen, zum Rheinvorland und den Waldgebieten mit einem neuen System zu erneuern. Für jede Schlüsselausgabe fallen 200 Euro Pfandgebühr und 20 Euro Verwaltungsgebühr an. Rettungsdienste und Feuerwehr sind davon ausgenommen.

Feuerwehrinsel

Ebenfalls einstimmig, wenn auch kontrovers diskutiert: Das Abspielen von elektronischer Musik bei Veranstaltungen auf der Feuerwehrinsel wird untersagt. Die laute Musik sei oft im Ort zu hören, so der Ortsvorsteher. Die Feuerwehrinsel liege mitten in der Natur, im Vogelschutzgebiet, da passe keine laute Musik. Wie dies zu kontrollieren sei, wurde im Rat leidenschaftlich diskutiert: Die Kaution einbehalten oder nicht. Förster Hepfer wies daraufhin, dass diese Störung in einem FFH-Gebiet eh eine Ordnungswidrigkeit sei. Mit einer Gegenstimme wurde der Antrag beschlossen, die Kaution bei Zuwiderhandlungen einzubehalten.

Lautstark diskutiert

wurde der Antrag auf Einführung eines Gemeindevollzugsdienstes für Altenheim. Hierzu demnächst Näheres.

 

HR | 22.10.2020

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