Digitalpakt für die Schulen

Fragen, Antworten, eine offene Rechnung | Gemeinderat befürwortet einstimmig

NEURIED. Im „Digital-Pakt Schule“ soll die digitale Infrastruktur der Schulen bundesweit verbessert werden. Fünf Milliarden Euro stellt der Bund hierfür zur Verfügung. Für Baden-Württemberg entfallen auf fünf Jahre 650 Millionen Euro. Die Gelder für Neuried belaufen sich auf 415000 Euro mit einem Eigenanteil der Gemeinde in Höhe von mindestens 20 Prozent. Hinzu kommen Sondermittel über den kommunalen Finanzausgleich in Höhe von knapp 104000 Euro.

Antragsvoraussetzung für die Mittel ist ein Medienentwicklungsplan. Die Pläne stellten die Neurieder Schulen in der letzten Gemeinderatssitzung vor. Nach vielen Fragen stimmte der Rat den Maßnahmen zu. Sie sollen nun umgesetzt, die Mittel beantragt werden.

Digitale Medien, betonten die Rektorin der Grundschule Ichenheim, Carola Jäger, und die Konrektorin der Grundschule Altenheim, Sabine Dogor, würden den normalen Unterricht jedoch nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Dies war eine Frage und Sorge im Gemeinderat. Heinz Walter (SPD) wollte wissen, ob das „Schreiben mit der Hand“ in der digitalen Zeit nicht zu kurz komme. Die Schreib- und Leseschwäche von Grundschulkindern sei ja bekannt.

„Die Kreide und die Tafel bleibt. Das funktioniert auch ohne Update und Stromausfall“, erklärten die Pädagoginnen. „Wir unterrichten wie bisher.“ Dass die Kinder nicht nur mit den neuen Medien spielen, sondern mit diesen auch lernen, sei ein Ziel im Medienentwicklungsplan. Aber auch über die Gefahren würden die Kinder informiert werden, dass beispielsweise jemand gefragt werden müsse, bevor er fotografiert werde.

Für die Grundschulen ist vorgesehen, dass nicht jedes Kind ein Tablet erhält. Fünf bis sechs Geräte soll es in Ichenheim pro Klasse geben. Insgesamt 40 für 123 Schülerinnen und Schüler. Altenheim hat rund 50 Geräte eingeplant.

Dagmar Frenk, Rektorin der Realschule, äußerte ebenfalls: „Die Tage der Kreide und Tafel sind nicht gezählt.“ Dennoch wünsche sie sich „viele mobile Geräte, die wir in unserem großen Haus nutzen können.“

Offene Rechnung

Im Rat wurde die Beschaffung der Geräte nicht als problematisch angesehen, sondern die Wartung, der Service, Reparaturen, Fortbildungen sowie die Verkabelung. Eine Art Medien-Hausmeister werde notwendig sein. Diese Kosten hätte die Gemeinde zu tragen.

„Der Digitalpakt ist zu kurz gesprungen“, erklärte Hans-Jörg Hosch (UL) hierzu. „Die Gemeinde wird allein gelassen. Was komme da bezüglich schnelle Daten, der Kabel-Infrastruktur, noch auf die Gemeinde zu?“

Zwischenmenschliche Vernetzung

Der gemeinsame Vortrag der beiden Grundschulen beeindruckte Hermann Fuchs (UL). Er regte eine digitale Vernetzung der Schulen an. „Schönes Ziel“, antworteten Rektorin Jäger und Konrektorin Dogor.

 

HR | 19.10.2020

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