Die Bienen halten den Imker

Peter Stocker hat 19 Völker | Ist das Befinden der Bienen ein Indikator für andere Insekten?

Peter Stocker und seine Bienenkästen | Eine Schicht wuselnder Bienen bedeckt jeden Rahmen | Die Bienen sind gelassen

NEURIED. Die Herbstsonne scheint honiggolden. Tag und Nacht sind gleich lang. “Es ist die Zeit”, sagt Peter Stocker, “den Bienen zurückzugeben, was wir ihnen genommen haben.” Mit dem Imker aus Ichenheim sprachen wir über Bienen und andere Insekten.

Ende September blühen noch Pflanzen wie Senf, Efeu und Fetthenne. “Da gehen sie drauf,” sagt Stocker, “aber das reicht ihnen nicht. Deswegen füttere ich mit Zuckersirup auf.” Wenn die Trachtquellen im Spätjahr versiegen, gehen die Bienen in die Winterruhe über. Sie sitzen dann eng zusammen und halten eine Körpertemperatur von 35 Grad. Dafür brauchen sie ausreichend Nahrung, und der Kasten sollte gut isoliert sein.

Ein Volk von 50.000 Bienen kann über den Winter auf 10.000 schrumpfen. Nur die Königin kann Nachwuchs erzeugen. Bis zu 2000 von Drohnen befruchtete Eier kann sie am Tag legen. Sie ist “das Ein und Alles im Bienenstock”, wie Stocker es ausdrückt. “Aber wenn sie schwächer wird, trennt sich das Volk von ihr.” Sie verlässt dann mit einem Teil des Volkes das Nest und sucht sich einen neuen Brutplatz. Der Vorgang wird Schwärmen genannt. Manchmal wird der Imker gerufen, wenn ein Schwarm sich in einem Gartenbaum niedergelassen hat. Geschützt durch die Imkermontur, kann er das Volk als Ganzes in einen Sack bugsieren.

19 Völker beherbergt der 66-Jährige in seinem Garten. “Gemessen am Aufwand lagen Ertrag und Qualität dieses Jahr bei 100 Prozent”, sagt Stocker. Im Gegensatz zum “Standimker” geht er mit seinen Bienen auf Tour. Etwa nach Mösbach bei Achern zur Zeit der Kirschblüte, oder hinauf nach Hornberg im Schwarzwald, wo  “Peters Bergblütenhonig” entsteht. Auf sieben Honigsorten bringt es Stocker, darunter Kirsche, Edelkastanie, Weißtanne.

Das Bestäuben der Kirschblüten ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: den Obstbauern die Früchte, dem Imker der Honig. Ohne Bestäubung entsteht aus einer Blüte keine Frucht. Wenn bestäubende Insekten sterben, stirbt auch der Mensch, lautet formelhaft eine Sorge Vieler. Stockers Bienen geht es gut. Kann dieser Befund auf andere Insekten übertragen werden?

Peter Stocker sagt dazu: “Um meine Bienen kann ich mich kümmern. Andere Insekten müssen allein zurechtkommen. Eine Wildbiene zum Beispiel hat einen Radius bis 200 Meter, ihr Habitat. Wenn das in Ordnung ist, kann sie sich entwickeln.

Wir haben hier noch eine Landschaft mit vielen verschiedenen Trachtquellen. In Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen ist das nicht überall so.  In einer Monokultur mit viel Pestizideinsatz ist kein Platz für ein Insekt. Blühstreifen am Wegrand sind schön und gut. Aber warum darf unterm Mais nichts nachwachsen, wenn er zwei Meter hoch ist? Das macht mich sehr nachdenklich.”

Stocker öffnet einen Bienenkasten. Zehn Rahmen hängen darin, jeder bedeckt mit einer braunen Schicht wuselnder Bienen. Einen nach dem anderen zieht er heraus, um die Königin zu finden. Es macht den Bienen scheinbar nichts aus. Als vertrauten sie Stocker. Ihn attackieren sie nicht, wohl aber die Wespen, die herangekommen sind. Immer vier, fünf Bienen auf eine Wespe.

Was für ihn das Schöne sei am Imkern, frage ich Peter Stocker.  Jetzt hat er die Königin gefunden. “Es gibt da einen Spruch”, lautet die Antwort. “Zuerst hält man die Bienen, dann halten sie einen.” Was das bedeutet, ahne ich beim Anblick der Königin. Sie hat ein bläulich schimmerndes Mal auf dem Rücken. Es geht eine seltsame Faszination von ihr aus.

 

DK | 2.10.2020

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