“Das wird kein normales Schuljahr”

Realschule Ichenheim hat Corona-Regeln umgesetzt | Medienplan für Digitalpakt steht

NEURIED. Der Schulstart in Baden-Würtemberg liegt gut drei Wochen zurück. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Rückkehr in den Regelbetrieb, hieß es offiziell. Coronaregel-Betrieb trifft es besser. Was bedeutet das konkret für den Schulalltag? Und wie kommt die Digitalisierung in den Klassenzimmern voran? Darüber sprachen wir mit Dagmar Frenk und Isabell Sprang von der Realschule in Neuried-Ichenheim.

“Schüler und Lehrkräfte, wir alle sind froh, wieder in der Schule zu sein”, sagt Dagmar Frenk (49). Sie und Konrektorin Isabell Sprang (40) leiten einen Schulbetrieb mit 600 SchülerInnen und 41 Lehrkräften. Sprang ist verantwortlich für die Stunden- und Vertretungsplanung. Sie beschreibt die Corona-Vorgaben im Detail:

  • Gestaffelter Schulbeginn zur ersten, zweiten und dritten Stunde. So wird die Kernzeit, in der alle 600 Schüler gleichzeitig in der Schule sind, auf ein machbares Minimum reduziert.
  • Pausengestaltung getrennt. Es gibt vorgegebene Wege und Aufenthaltsbereiche. Ziel ist es, Durchmischung zu vermeiden. Dazu wurden Gruppen nach Kriterien wie Jahrgangsstufe und Unterrichtsfach gebildet. Wo sie sich aufhalten dürfen, markieren Sperrschranken auf dem Schulhof.
  • “Homogene Lerngruppen” bleiben weitestgehend beieinander. Für sie gelten die Abstandsregeln nicht. In alter Klassenstärke dürfen sie in einem Raum unterrichtet werden.
  • Maskenpflicht außerhalb des Klassenzimmers.
  • Lüften, lüften, lüften. Fenster und Türen sind auf. Die SchülerInnen werden gebeten, sich im “Zwiebellook” warm anzuziehen.
  • Tische desinfizieren.
  • Toilettengang entzerren. Heißt konkret: nicht in Gruppen.
  • Plexiglas-Abtrennung auf dem Lehrertisch.
  • “Jahrgangstische” in der Mensa.

“Wir haben das bestmöglich umgesetzt, die Schüler halten sich daran”, sagt Sprang. Frenk ergänzt: “Es gibt zudem Szenarien für den Ernstfall. Wir wissen trotzdem nicht, wie das dann konkret sein wird. Das macht mir Sorgen.”

Viele Eltern hatten einen normalen Schulbetrieb erwartet. Einige Elterngespräche seien nötig gewesen, so Frenk. “Wir mussten deutlich machen, dass das kein normales Schuljahr wird.” Ein Knackpunkt war der spätere Unterrichtsbeginn, der nicht mehr in die Buspläne passt. Besonders betroffen waren SchülerInnen aus Schutterwald und Wittenweier. Schwierig ist auch, dass immer noch vereinzelt Fernunterricht stattfinden muss. Nämlich dann, wenn die betreffende Lehrkraft Vorerkrankungen hat.

Wie ist die Schule derzeit mit digitaler Technik ausgestattet?

“Am 14.10. werden wir gemeinsam mit den Neurieder Grundschulen unseren Medienplan vor dem Gemeinderat präsentieren”, kündigt Dagmar Frenk an. Der Medienplan ist der Bedarf der Schule an digitalen Geräten, Infrastruktur und Weiterbildung. Er ist Voraussetzung für die Zuteilung von Mitteln aus dem Digitalpakt der Bundesregierung.

Nahezu jeder Unterrichtsraum verfügt über PC, Dokumentenleser und Beamer. Es gibt keine Tablets für die Schüler, keine Dienstgeräte für die Lehrer. “Von der Lernmittelfreiheit sind wir weit entfernt. Das hieße, jeder Schüler hat zu Hause die gleichen technischen Voraussetzungen. Das ist nicht der Fall,” stellt Frenk klar.

Wie ist der Lernstand der SchülerInnen im Vergleich?

“Wir liegen leicht über dem Landesdurchschnitt,” zeigen sich Frenk und Sprang zufrieden. “Messergebnisse sind das eine,” ergänzt Frenk. “Das andere sind Rückmeldungen von Betrieben und weiterführenden Schulen, die sehr positiv ausfallen.”

Ein Blick auf den Fachbereich: Wie wird Französisch angenommen?

Französisch ist ab der sechsten Klasse Wahlpflichtfach. In der fünften gibt es einen zweistündigen Brückenkurs zum Schnuppern. Schüleraustausche finden in der sechsten und achten Klasse statt. Außerdem gibt es Frankreich-Fahrten und Besuche im Theater Baden Alsace. Insgesamt 128 von 600 SchülerInnen haben Französisch. Zufrieden ist Frenk damit noch nicht. “Ich würde mir Französisch für den Alltag im Lehrplan wünschen, ohne viel Grammatik. Insgesamt ist da noch viel Luft nach oben.”

 

DK | 8.10.2020

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