Chorus Delicti – Zusammenhalten auf Distanz

Konzert mit Nadia Birkenstock wegen Pandemie abgesagt | Abstandsregeln verhindern Zusammenklang

Chorus Delicti in voller Besetzung. Foto: Manfred Sickmann

NEURIED. Was heißt es für einen Chor, wenn die Mitglieder zwei Meter auseinander stehen? Wie können Proben unter Coronaregeln gestaltet werden? Über die Situation bei Chorus Delicti, dem bekannten Neurieder Chor, sprachen wir mit Leiter Ulrich Hanbürger.

Das für den 21. November geplante Konzert in Kehl mit Nadia Birkenstock (keltische Harfe und Gesang) ist abgesagt. Die derzeit geltenden Abstandsregeln hätten nur 120 Personen in der Johannes-Nepomuk-Kirche zugelassen, einschließlich der Chorleute, sagt Hanbürger. 90 Zuschauer, wenn es gut läuft. Die meisten Musiker müssen sich mit weniger zufriedengeben. Wichtiger als die Einnahmen wäre für Hanbürger, der den Chor 1993 gründete, ein gelungenes Konzert gewesen.

“Wie hätten wir die Mitglieder im Chorraum verteilen sollen?” spricht der 69-Jährige ein grundlegendes Dilemma an. Auf gut 30 SängerInnen kommt die Truppe, wenn alle mitmachen, niemand krank oder anderweitig verhindert ist. Nur die Hälfte der Mitglieder sei zur letzten Probe gekommen, sagt Hanbürger. “Da spielt auch die Angst vor Ansteckung mit.”

Die gewohnten Probenorte sind jetzt zu klein. Der Nebenraum der Lindenfeldhalle reicht normalerweise aus, vergangenen Donnerstag mussten sie das Foyer hinzunehmen. Wenn die Stimmen verstreut stehen, geht der Zusammenklang verloren. Stattdessen bilden sich Stimm-Cluster. Hinzu kommt, dass manche Mitglieder eine Leitstimme neben sich brauchen, die nun zu weit weg ist. 

Während er sonst zentral vor dem Chor steht, muss Ulrich Hanbürger herumlaufen, dabei ständig auf Distanz achten. So die Übungen zu leiten, ist schwierig genug. Sich ein Bild zu machen, wo der Chor klanglich steht, praktisch unmöglich.

Weil Auftritte einstweilen nicht anstehen, sind die Proben noch wichtiger geworden. In der Sommerzeit sei es gelungen, wöchentlich zu proben – unter freiem Himmel. “Den Lockdown haben wir praktisch nachgeholt.” Neue Stücke will er weiterhin angehen, sagt Hanbürger. Eines davon sei Bohemian Rhapsody von Queen. “Wir müssen jetzt dranbleiben.”

 

DK | 29.9.2020

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