Bürgermeister für Kandidatur – Bio gegen konventionell

Gemeinderat tagte Mittwochabend | Jochen Fischer will 2021 erneut kandidieren

NEURIED. Nach einem halben Jahr Pause hat Bürgermeister Jochen Fischer wieder eine Gemeinderatssitzung geleitet. Zum Schluss der öffentlichen Sitzung in der Langenrothalle erklärte er unter Applaus der Gemeinderäte: „Ja, ich beabsichtige 2021 bei der Bürgermeisterwahl noch einmal zu kandidieren.“ Wegen seines gesundheitlichen Zustandes seien Gerüchte aufgekommen. Deswegen wolle er dies klarstellen.

Zu Beginn der Sitzung bei der Fragestunde zu den auf der Tagesordnung stehenden Themen zeigte sich, dass der Punkt Nummer 6 Zündstoff hatte. Landwirt David Mild argumentierte gegen den Antrag der Fraktion Umwelt und Leben (UL). „Er soll abgelehnt werden“, forderte Mild „im Namen der Neurieder Landwirte“.

Der Antrag sieht vor, an die Gemeinde zurückgegebene Pachtflächen aus biologischer Bewirtschaftung nur an Pächter zu vergeben, die diese Flächen weiterhin biologisch bewirtschaften. Der Antrag, so Mild, stelle Bio als gut hin und konventionell als schlecht und schlage eine Kerbe zwischen die Landwirte.

Später, als der Tagesordnungspunkt erreicht wurde, sprachen einige Räte von einem Keil, der zwischen Bio und konventionell durch den UL-Antrag geschlagen würde. Die Verwaltung, so Bürgermeister Fischer, wolle diesen Antrag als Anstoß nehmen, um ein Verfahren zu starten, gab jedoch zu bedenken, dass in der Folge ein Antrag eingebracht werden könnte, der verlange, dass konventionell bewirtschaftete Flächen nur für konventionelle Bewirtschaftung vergeben werden sollen. Im Übrigen sei die Vergabe Sache der Ortschaftsräte. Die Beschlussvorlage der Verwaltung sah denn auch vor, den Antrag zur Beschlussfassung an die Ortschaftsräte zu verweisen. Dies wurde mit knapper Mehrheit beschlossen und musste wiederholt nachgezählt werden: 12 Räte stimmten dafür, 11 dagegen bei zwei Enthaltungen.

Ichenheims Ortsvorsteher Helmut Roth (FWV) erklärte, die Tendenz im Ried sei ohnehin Bio. „Wir werden 60 Prozent Bio-Flächen erreichen, bevor das Land Baden-Württemberg ihre eigene Vorgabe mit 30 Prozent erreicht“, so Roth. „Es gibt keinen Grund für diesen Antrag. Er behindert unsere Arbeit.“

Für die UL-Fraktion erklärte Bettina Dürr, dass es um die Sicherung der Bio-Flächen gehe. Axel Fischer (UL) sprach von „Werterhaltung.“ Als Gegenargument, so Fischer, höre er nur, dass der Antrag einen Keil zwischen die Landwirte treibe.

Ralf Wollenbär (FWV) erklärte, im Ried gebe es eine „gute Entwicklung, ohne dass sich die Gemeinde einmischt.“ Die Abstimmung spiegelte das leidenschaftlich geführte landwirtschaftliche Ried-Thema wider.

 

HR | 15.10.2020

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