B52, Babs und Bier

Die Hitparade der Kneipe | Vier Jahrzehnte im Queue

„Es wird heute genauso viel getrunken wie früher.“

NEURIED-ICHENHEIM. Nach 35 Jahren Thekendienst im und am Ried kommt Nils Götze zu der Zwischenrechnung: „Es wird heute genauso viel getrunken wie früher.“ Die Charts der Getränke und Alben aus den Jahrzehnten hat der Wirt und DJ nach nächtelangem Brüten vor LPs und CDs und wiederholtem Öffnen der Schubladen mit Hochprozentigem nicht auflisten können. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinen speziellen Song, kein spezielles Album und Getränk zu den Jahrzehnten gibt.“

Mit der Ausnahme vielleicht von Michael Jacksons Album „Thriller“ in den frühen 80ern. Aber da lief auch Nena, die Neue Deutsche Welle. Und Falcos „Kommissar“ schwirrte ebenfalls im „Queue“ herum. „U2“ läuft noch immer wie „Nirvana“. Und auch Amy Winehouse.

„Bei den Getränken ist es nicht viel anders.“

B52, Tequila, Cocktails und Longdrinks sind Dauerbrenner wie das Bier. Nur der Gin ist in den letzten Jahren in die Kneipe eingezogen. „Das absolute In-Getränk.“

An das Getränk des prominentesten Gastes aus 35 Jahren kann Nils sich genau erinnern: Riesling-Schorle. Das klingt wenig prickelnd, wie der Name der damals noch unbekannten Frau: Barbara Feltus. Als Backgroundsängerin der Rieder Band „Secret Combination“ kam Babs, wie sie später bekannt wurde, Mitte der 80er nach den Proben mit Bandmitgliedern oft ins „Queue“ und hinterließ stimmlich großen Eindruck bei Nils. Nicht, weil sie gesungen hätte; es war ihre klare Ansage: Ich will hier weg. Und: Ich suche mir einen reichen Kerl und verschwinde. Als „Secret Combination“ dann kurze Zeit später in München war, um Studioaufnahmen zu machen, kehrte sie nicht mehr zurück. Und nach einer ersten Beziehung in Schwabing schnappte sie sich Boris. Als Barbara Becker hat sie wohl heute noch ausgesorgt und den richtigen Riecher auch für diesen Abgang gehabt, denn Boris Becker kämpft und hechtet gegen die Pleite.

Die Geschichte der Mutter von Nils klingt schöner. Als junge Frau zog sie von Baden-Baden nach Hamburg. Dort arbeitete sie als Buchhalterin in einer Reederei und lernte auf der Werft ihren späteren Mann kennen. Im Alter von drei Jahren kam Nils Holger Götze von Hamburg Barmbeck-Uhlenhorst mit der Familie nach Renchen.

 

HR | 20.10.2020

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